Wer gerade
etwas viel Zeit übrig hat und sich gerne (unter anderem auch sehr) kritisch mit den Themen Kreativität, DIY, Konsum und Blogs auseinandersetzt, dem seien der Post
Don't do it yourself – oder: Das Unbehagen an der Kreativität von
MiMA sowie
Gedanken zur Selbermacherei und ein Um:GWÖ:hnungsvorschlag von
Madame Ulma ans Herz gelegt. Und vor allem die auch aus diesen Posts entstandenen Diskussion in den Kommentaren!
Müssen wir immer kreativ sein, alles selber machen? Wie groß ist der Druck, den Blogs auf uns ausüben, kreativ zu sein? Ist DIY nur noch ein großer Hype und Konsumzwang? Wie kreativ sind wir noch, wenn wir ein DIY-Tutorial nach dem anderen abarbeiten? Schaffe ich etwas, weil mir kreativ sein/selber machen Spaß macht bzw. aus einer Notwendigkeit heraus? Oder schaffe ich etwas um zur "kreativen Gesellschaft" dazu gehören, anerkannt zu werden? Ist Kreativität zum Zwang geworden? Ist es schlimm, nicht kreativ zu sein?
Interessante, aber auch sehr anstrengende und bisweilen ermüdende Fragen. Vieles ist mir auch zu theoretisch und zu abstrakt. Und vielleicht sollte man öfter einfach machen....machen, was einem Spaß macht. Was einen glücklich macht. Und bleiben lassen, was einem keine Freude bringt! Was man meint tun zu müssen aufgrund äußerer Einflüsse...
Für mich kann ich aus dieser Diskussion nur den Schluß ziehen, mich in Zukunft im Positiven wie im Negativen weniger von Blogs beeinflussen zu lassen. Denn ja, manchmal beeinflussen mich Blogs auch negativ! Manchmal bin ich diese konstante Bilder- und Inspirationsflut leid. Dieses dauernde Zur-Schau-Stellen von perfekt gestylten Wohnträumen und (mehr oder weniger und leider oft auch sehr wenig) kreativen DIY-Projekten...nicht weil mir die Wohnungen oder Projekte nicht gefallen würden (gut, natürlich kommt auch das vor), sondern weil es manchmal frustrierend ist zu sehen, dass andere scheinbar unbegrenzt Zeit und Geld haben...Zeit die Wohnung immer in vorzeigbarem und fotografier-würdigem Zustand zu halten, Zeit zu nähen und malen und werkeln, Zeit das perfekte Dinner auszurichten, Zeit und Geld für tolle Reisen, Geld sich einen Teppich für 3000 Euro leisten zu können, die perfekte Altbauwohnung, das Haus am Meer...und und und. Diese Liste lässt sich unendlich fortführen. Man findet immer einen Blog mit den Dingen, die man gerade selbst gerne hätte...für die man aber keine Zeit, kein Geld oder kein Können hat. Oder einem im schlimmsten Fall alles drei zusammen fehlt ;)
Nachdem ich einige Tage diese Fragen mit mir herumgetragen habe und auch mitdiskutiert habe, werde ich mich morgen als erstes wieder an die Nähmaschine setzen...denn trotz mangelnden Könnens macht es mir Spaß, Kissen für mein neues Sofa zu nähen. Es macht mir mehr Spaß mit einer Nähmaschine, die ich vor dem Gebrauchtwarenkaufhaus gerettet habe, und Stoffen aus eben diesem, von IKEA und vom
Holland Stoffmarkt zu arbeiten. Andere Materialien, andere Arbeitsgeräte als sonst üblich für mich. Keine Pixel. Kein Code. Kein Stift. Ich muss mich mit Problemen beschäftigen, die ich sonst nie hätte und dafür Lösungen finden. Und ich kann mich an meinen laienhaften Nähkünsten erfreuen. Anschließen werde ich hier zeigen, was ich geschaffen habe und mich freuen, wenn jemand einen Kommentar hinterlässt. Denn ja, manchmal ist es auch toll zu dieser "kreativen Gesellschaft" dazu zu gehören. Auf diesem Wege Gleichgesinnte zu finden. Menschen kennen zu lernen, denen man sonst nie begegnet wäre. Cola-Kracher (ok, völlig un-selbst-gemacht) nach NYC zu "exportieren" und im High Line Park an
Nina zu übergeben. Oder Geschirr (selbst ertrödelt immerhin) nach Kiel an
Merle zu versenden.
Das alles hätte ich vermutlich auch einfacher haben können. Ich hätte ins Möbelhaus meines Vertrauens gehen können, dort einige Hundert Euro (oder auch mehr) bezahlen und ein neues Sofa sowie einige Kissen mit nach Hause nehmen können. Aber nein, ich suche wochenlang bei ebay und in Gebrauchtwarenhäusern. Ersteigere ein günstiges Sofa bei ebay und muss die Abholung organisieren. Ich weiß nicht was mich erwartet. Und dann fange ich an zu recherchieren wo ich passende Stoffe für Kissen bekomme. Quäle mich Samstag sehr früh aus dem Bett um auf den Stoffmarkt zu gehen. Muss mich erst in die Bedienungsanleitung der Nähmaschine einlesen...aber was soll ich sagen? Es macht mir Spaß. Stück für Stück alles so zu schaffen,
wie ich es mir vorgestellt hatte wie es mir gefällt. Es wachsen zu sehen. Not – kein neues Sofa, das den Vorstellungen und dem gesetzten Budget entspricht, zu finden – macht erfinderisch. Kreativ. Und dann ist es auf einmal gar nicht mehr so schlimm, dass man nicht genug Geld für das Designer-Sofa von Blog xy hatte, weil man etwas eigenes geschaffen hat. Vielleicht etwas viel tolleres. Etwas persönliches. Und es ist gar nicht mehr schlimm, weil DIY und kreativ sein eben auch glücklich macht.
This post is about an interesting but also kind of exhausting discussion about creativity, DIY, consumption and blogs that is going on right now on some German blogs... I'm sorry that I don't have the time and energy to post this in English, too. At least not at the moment...